..Der nackte Wahnsinn..

..als Belinda Blair (Flavia Brent)..

Dass große Kunst nur aus tiefstem Leiden geboren werden kann, erfährt der Regisseur Lloyd Dallas am eigenen Leib, als er mit einer Gruppe dilettantischer Schauspieler ein Boulevardstück einzustudieren versucht. Die Generalprobe wird zum Fiasko, und da die Schauspielertruppe zu allem Elend mit diesem Stück auch noch auf Tournee geht, entwickelt sie sämtliche Marotten, Unarten, Liebschaften und Gemeinheiten. Von Vorstellung zu Vorstellung entwickelt sich immer mehr Der nackte Wahnsinn.

Dem Englänger Michael Frayn ist mit dieser raffiniert konstruierten Farce, deren Gegenstand die Farce selber ist, eine Kultkomödie gelungen, die ihm zu Recht zum internationalen Durchbruch verholfen hat.

Neben der unübertroffenen Komik hat Der nackte Wahnsinn noch andere Facetten zu bieten, zeichnet der Autor doch auch ein kritisches Bild der Illusionsmaschine Theater und wie schnell diese ins Stottern gerät. Nebenbei offenbart er, wie groß das Chaos jedes Einzelnen in uns selbst ist, auch wenn scheinbar alles in geordneten Bahnen verläuft, in dem er mit dieser Farce den Spieß umdreht und das innere Chaos nach außen zeigt. »Ordnung ohne Unordnung gibt es nicht«, befindet Michael Frayn. Aber nicht nur inhaltlich dreht er gewisse Allgemeinplätze um, sondern auch bildlich: Die Idee für Der nackte Wahnsinn kam ihm eines Abends 1970 im Theater, als er sich hinter den Kulissen eine Vorstellung seines Stückes chinamen anschaute: »Es war lustiger, sich das Stück von hinten anzuschauen und ich dachte, dass ich eines Tages eine Farce schreiben sollte, die aus dieser Sicht geschrieben sei.«

Geschähe all das wirklich, was in Der nackte Wahnsinn passiert, wäre des der perfekte Albtraum für jeden Theatermacher. So aber ist es ein absoluter Hochgenuss für die Zuschauer, denn noch mehr Theater auf der Bühne geht gar nicht.